1990 die Hoffnung erfüllte sich nicht

Die ersten drei Monate mit drei Kindern einer neuen Wohnung (die viel größer und behindertengerecht war) liefen ungewöhnlich gut. Viel Arbeit die jedoch mit Organisation und viel Liebe von mir gemeistert wurde. Neben einem nun  wissbegierigen und sehr lebhaften 8 jährigen, einem 6 jährigen schwerstbehinderten  hilflosen Strahlemann gab es ja jetzt auch noch ein kleines Mädchen, daß viel Zeit forderte. So ganz nebenbei wurde meine Tante immer mehr zum Pflegefall. (Sie lebte bei uns im Haus und hat uns erst ermöglicht das Haus umzubauen). Deshalb galt auch Ihr meine volle Aufmerksamkeit.

Im Mai 1990 hatte mein Mann einen Bandscheibenvorfall und mußte zur Kur. Eigentlich doch etwas was in jeder Familie vorkommen kann. Ich erwähne es aus einem besonderen Grund. Er war so ungefähr zwei Wochen weg als für mich eine Welt zusammenbrach.

Ramona bekam gerade ihr Fläschchen als ihre Augen nach oben wanderten. Starr und mit großen Pupillen fixierte sie etwas. Es hörte nicht auf und der kleine Körper war unnatürlich steif. Ein Schmatzen und Schnalzen mit der Zunge war die Folge. Mein Herz bebte und der Verstand setzte aus.

Ich hielt mein Kind in den Armen und wußte unweigerlich mein kleines Mädchen hat die gleiche Krankheit wie Ihr Bruder. Warum? Warum nur die Ärzte waren sich doch so sicher daß Ramona gesund ist.

Nein ich habe meinen Mann nicht informiert. Er sollte seine Kur erfolgreich beenden obwohl ich Ihn so gebraucht hätte habe ich bei meinen Anrufen nichts davon erwähnt.

Hilfe habe ich mir von meiner Mutter erhofft. Diese wohnte ja gleich nebenan. Doch das einzige was meine Mutter mir zu sagen hatte war “ Ja Mädchen da musst du durch.“ Dieser Satz begleitet mich bis heute und ich kann ihn nicht verstehen. Ich wollte doch nur ein bisschen Mitgefühl von ihr.

Was in den kommenden Monaten folgte brauche ich glaube ich nicht extra zu erwähnen. Es lief fast genauso ab wie bei Alexander. Suchen nach einem Namen für die Krankheit, für die Ursache, dem Sinn und vorallem nach dem Warum.

Wie erkläre ich meinem Großen , daß auch die kleine Schwester behindert ist? Wie kann ich das alles schaffen? Warum ? Welche Zukunft haben meine Kinder?

Angst, Verzweiflung und eine Mutter der das vollkommen egal ist.

Meinen Mann und mich haben diese Sorgen noch mehr zusammengeschweist. Unsere Kinder unser Leben unsere Liebe.

Ein Gedanke zu „1990 die Hoffnung erfüllte sich nicht

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