Die rote Rose 10


Eine rote Rose und das lesen von verschiedenen Zeitungsberichten, Facebookbeiträgen u.s.w. animierten mich dazu diesen Artikel zu schreiben.

Es wird gejammert, daß Kinder anstrengend sind, die Jugendlichen nicht mehr das sind was sie früher waren, es wird darüber diskutiert ob eine Familie mit mehr als drei Kindern normal ist oder schon als asozial gilt. Immer höher immer weiter. Neid und Missgunst wohin man schaut. Auch der Sinn des Lebens ist häufig ein Thema und immer mehr fällt mir auf, daß die Menschen immer egoistischer und weniger belastbar werden. Es ist eine Selbstverständlichkeit zu fordern statt zu fragen und zu dirigieren statt zu leiten.

Wenn ich lese, daß sich Mütter von Kindern  darüber beschweren, daß sie immer eingebunden sind und keine Zeit für sich haben und das Leben ohne Ausgehen und Freunde treffen keinen Sinn macht, dann frage ich mich wirklich haben sie sich darüber vorher keine Gedanken gemacht. Wenn ein Vater enttäuscht ist, daß der Sohn nicht so toll in der Schule ist wie er es einst war und mit Strafen droht, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. In einem Forum las ich, daß Mütter mit kleinen Kindern die ein Handycap haben komplett überfordert sind und unbedingt eine Auszeit brauchen. Was machen sie wenn dieser Zustand des angebundenseins über Jahrzehnte geht?

Ich habe schon einiges über dieses Thema geschrieben und auch ich hätte gerne mehr Freizeit gehabt, beschwert habe ich mich jedoch  nie. Mein Leben ist komplett anders verlaufen wie ich es eigentlich wollte. Nachlesen kann man es hier

In einigen Tagen haben meine Kinder Geburtstag. Erwachsen der Sohn mit eigener Familie und zwei kleinen Kindern, erwachsen auch die Tochter aber immer noch auf   Hilfe angewiesen. ( das wird auch so bleiben)

Bekannte von mir deren Kinder im gleichen Alter sind leben spontan und verreisen kurzfristig, ich plane Monate im voraus, denn es muß immer für eine geeignete Pflegekraft gesorgt sein. Ein Treffen im Cafe sage ich ab, denn ich habe Niemanden für die Tochter und die 32 Stufen bis zum Lokal sind für uns unüberwindbar. Der Kauf eines Autos richtet sich nicht nach der PS Zahl und nach dem Aussehen, sondern nach der Größe. Wenn andere Frauen in meinem Alter an sich denken und das nachholen wollen was sie angeblich alles versäumt haben, fülle ich Anträge für meine Tochter aus. Mache Termine für anstehende Arztbesuche, treffe mich zu Gesprächen über mein erwachsenes Kind und dessen Zukunft. Fülle den Schrank mit Pflegeutensilien auf, habe immer die Uhr im Auge die mir sagt wann das nächste Medikament verabreicht werden muß. Ich lebe nach dieser Uhr, sie erlaubt keine Verspätungen und keine Spontanität, denn sonst steht meine Tochter nach  der Arbeit in der Einrichtung für Körperbehinderte mit dem Rollstuhl vor verschlossener Tür.

Mein Blick fällt auf die rote Rose auf meinem Schreibtisch. Bekommen habe ich diese von einem wunderbaren Menschen der seit Jahrzehnten das gleiche Schicksal hat.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

10 Gedanken zu “Die rote Rose

  • sabrina

    Dadrüber habe Ich mich die Tage auch mit meinem Mann unterhalten. Ich versteh es einfach nicht, wieso man Kinder in die Welt setzt, wenn man sich nicht schon von Anfang an bewusst ist, das man wohl kaum oder gar keine Zeit mehr für sich hat. So ist das aber nun mal wenn man Mutter ist.

    • mischblut Autor des Beitrags

      Oft denke ich, viele sind sich nicht bewußt, daß Kinder nicht immer kleine Babys bleiben und auch Ansprüche haben. Vorallem kann oder sollte man das Muttersein niemals aufgeben auch wenn die Kinder erwachsen sind.

  • Drapegon (Petra)

    Das fällt mir gerade noch etwas ein. Thema Kindergeburtstag. Eine Mutter erzählte mir wie Streßfrei es doch wäre, wenn die Kinder im Burger King Geburtstag feiern. Denn da können die Eltern wenigstens in Ruhe Kaffeetrinken. Tolle Aussage nicht. Ich frage mich was aus dem alten Kuchen backen geworden ist.

    • mischblut Autor des Beitrags

      die armen Kinder, sie verpassen Wasserbomben im Garten, Sackhüpfen oder Schatzsuche und natürlich den selbstgebackenen Kuchen und alles nur das die Eltern Kaffee trinken können. Auch in der Stadt wenn man nur eine kleine Wohnung hat geht das, es gibt auch Spielplätze

  • Drapegon (Petra)

    Ich habe auch den Eindruck das viel Eltern einfach zuviel wollen bzw. manche Sachen einfach genauso tun wollen wie vorher ohne Kinder. Das geht aber nicht und man muss Prioritäten setzen. Ein Kind kann man nicht so einfach in die Ecke setzen wie einen Gegenstand, manche scheinen darüber nicht nachzudenken. Nur ein Beispiel (passt zwar wahrscheinlich jetzt nicht so): Sage ich mal Urlaub. Für manche ist es unverständlich, das man ständig nur zu hause Urlaub macht statt irgendwo hinzufliegen. Auch bei uns ist es schön. Außerdem brauche ich weniger Geld und habe weniger Stress (ratet wer das Ganze Urlaubsdingends organisieren müsste). Das ist irgendwie Modeerscheinigung. Wenn ich aber sehe wieviel so eine Pauschalreise kostet und ich gegenüber stelle das für unser Haus der komplette Eingangsbereich (Pflaster etc.) fehlt und unser Sohn wieder haltbare Klamotten für den Waldkindergarten braucht. Wofür gebe ich dann lieber das Geld aus? Bestimmt nicht für einen Urlaub nachdem mir eigentlich nichts bleibt außer mal eine Woche Entspannung gehabt zu haben.

    • mischblut Autor des Beitrags

      ich kann deine Einstellung voll und ganz nachvollziehen, bei uns gibt es Urlaub erst seit knapp 10 Jahren, da war mein Sohn schon ausgezogen und das Haus fertig und bezahlt,an erster Stelle standen und stehen immer die Kinder

  • Petra

    Auch mein Leben ist anders verlaufen als man es sich wünscht, ich selbst entspreche nicht der Norm ,trotzdem bin ich mit meinem Leben zufrieden, und verdammt stolz auf meine Kinder Auch wenn es anstrengend ist oder egal wie schwer manche Tage auch sind,jedes lachen und jeder schöne Moment den man zusammen verbringt zeigt einem das es das Wert ist, ich denke wenn man mit sich selbst im reinen ist und lernt mit bestimmten Dingen zu leben undumzugehen hat man es auf dauer leichter und angenehmer als sich immer zu denken „ich verpasse etwas oder warum immer ich…. “
    Wünsche dir ein schönes und entspanntes Wochenende.
    lieben Gruß
    Petra

    • mischblut Autor des Beitrags

      Das sind die richtigen Worte Petra und ich hoffe, daß es die Mehrzahl der Mütter und Väter sind die so denken. Doch leider habe ich die letzte Zeit so einiges mitbekommen wo unsere Einstellung leider nicht praktiziert wird und das finde ich so traurig, darum dieser Artikel.
      Ganz liebe Grüße
      Ulrike

  • Testengel

    Dein Bericht hat mir glatt ein paar feuchte Augen beschert…
    RECHT HAST DU! Jeder sollte sich doch bitte vor dem *** überlegen, ob er mit den „Konsequenzen“ MUTTER zu sein, auch leben möchte.
    Und sind wir doch ehrlich, selbst wenn die Kinder „gross“ sind, werden sie uns immer irgendwie „an der Backe kleben“… und das ist auch gut so.
    Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Eltern und unterstütze sie natürlich, wenn sie ihr eigenes Leben leben und verreisen und sich keine Sorgen um mich machen… aber ich bin froh, wenn sie sich um mich sorgen…. und das werden sie IMMER…
    Und genauso ergeht es mir…. unser Sohn ist 17… wir haben uns gesorgt, als er klein war, wir haben uns gesorgt, als er auf der Suche nach einer Lehrstelle war und wir werden uns sicher auch die nächsten Jahre sorgen… und genau so sollte es sein…
    Wenn es auch der eine leichter als der andere hat, so sollten alle nicht vergessen: WIR wollten die Kinder, die Kids haben uns nicht angesprungen und gesagt, hier bin ich, mach was…. und für MICH wird mein Sohn immer an erster Stelle stehen….
    Wünsche Dir viel Kraft und FREUDE mit Deinen Kids…. LG

    • mischblut Autor des Beitrags

      genau so habe ich das gemeint und wenn dann die Enkelkinder da sind wie bei uns geht die Sorge weiter, ich leide mit wenn die Kleinen krank sind und ich teile die schönen Stunden und ich mache das alles gerne und ich habe nichts vermißt auch wenn mein Leben sich nach der Uhr richtet.
      Wünsche Dir ein schönes Wochenende
      Ulrike