Ich würde es wieder tun

Arbeiten ohne bezahlt zu werden. Die Mehrzahl wird sagen ohne mich. Eigentlich denke ich ja genauso aber ich habe meinen Beruf schon vor 18 Jahren aufgegeben und seitdem bin ich Hausfrau, Mutter, Kinderpflegerin, Köchin, Putzfrau die Geliebte meines Mannes und so ganz nebenbei versorge ich meine Tochter die zu 100 Prozent behindert ist. Ramona ist auch der Grund daß ich meinen Beruf aufgegeben habe. Ramona leidet an einer sehr seltenen Stoffwechselkrankheit. Viele werden jetzt an das Pflegegeld denken. Ja das ist richtig ich bekomme Pflegegeld (wieviel könnt Ihr ja nachlesen) davon muß ich aber die Raten für das Auto bezahlen, welches schon etwas größer ist, denn es muß ja der Rollstuhl von Ramona reinpassen. Auch die Zuzahlungen für die Hilfsmittel , die Inkontinenzversorgung, die Schienen und  Schienenschuhe und natürlich die Medikanmentenzuzahlungen müssen ja bezahlt werden. Jede Urlaubsfahrt ist teurer wie normal, denn es muß ja Alles rollstuhlgerecht sein. Wenn mein Mann und ich alleine etwas unternehmen wollen( finde ich persönlich extrem wichtig) muß natürlich die Pflege gesichert sein, ja auch dafür hat die Pflegekasse gesorgt, aber ein richtiger Urlaub ist da leider nicht drin. zehn Tage sind das höchste was man sich für die Stunden leisten kann. Nicht daß hier jemand glaubt der Urlaub würde bezahlt, nein nur die Betreung unserer Tochter. Natürlich ohne jegliche Zusatzkosten. Ach ja das Pflegegeld wird natürlich in der Zeit meines Urlaubs einbehalten.

Aber jetzt zurück zu meinem Beruf. Kinderpflegerin war immer mein Traum. Ausgeübt habe ich diesen dann zu Hause bei meinen eigenen Kindern und inzwischen auch an meinen Enkelkindern. Doch damit verdient man leider kein Geld. Sicher sagen jetzt Einige, daß es bestimmt einen Weg gegeben hätte daß ich auf die Arbeit hätte gehen können. Vielleicht aber ich habe keine Lösung gefunden. Welcher Arbeitgeber toleriert schon viele Wochen Ausfall wegen dem Krankenhausaufenthalt des Kindes und das waren in manchen Jahren oft mindestens 6-8 Wochen am Stück und das mehrmals ohne jegliche Ferien und leichteren Erkrankungen.

Um zum Familieneinkommen dennoch  etwas beizusteuern arbeite ich seit vielen Jahren als Zustellerin in den frühen Morgenstunden ( auch Samstags) einziger Nachteil  dabei ist, daß meine Nacht  um 4 Uhr endet und der Tag ist soo lang.

Bei Eis und Schnee, bei Regen und Wind bin ich jeden Morgen unterwegs. Natürlich hat das Ganze auch etwas Gutes. Ich habe frische Luft, Bewegung und bekomme dafür sogar noch eine angemessene Bezahlung. Andere bezahlen dafür ein Fitnessstudio.

Auch meine Gesundheit hat sehr unter der ganzen Belastung gelitten, so leide ich unter starken Rückenproblemen, was eigentlich nicht verwunderlich ist, denn meine Tochter ist nicht gerade ein Fliegengewicht. Ramona ist inzwischen 23 Jahre und ich habe die Hälfte eines Jahrhunderts überschritten. ich werde nicht viel Rente bekommen, vielleicht gar keine aber ich würde jederzeit wieder so entscheiden um für meine Tochter dazusein.

Nun möchte ich aber noch etwas ganz wichtiges erwähnen. Ohne meinen Mann hätte ich das Alles nicht so geschafft. Er war in all den Jahren an meiner Seite und ich hoffe daß wir noch ganz viele Stunden gemeinsam durchs Leben gehen.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.