Urlaub mit dem Rollstuhl, so war das nicht geplant

Dieser Blogbericht ist alles andere als eine Werbung.

Vor fast einem Jahr, versprach mein Mann am Heiligen Abend unserer Tochter etwas ganz besonderes. Ein ganz großer Wunsch sollte für sie in Erfüllung gehen.

Die Planung

Ich hole mal etwas weiter aus, damit auch der eigentliche Hintergrund verstanden wird. Seit vielen Jahren gönnen wir uns ( mein Mann und meine Wenigkeit einmal im Jahr, manchmal sogar zweimal, Urlaub von der Pflege. Wir fliegen dann nach Ägypten, um wieder Kraft zu danken. Ramona inzwischen 27 Jahre jung, auf den Rollstuhl angewiesen, geht solange in Kurzeit-Pflege. Wir haben lange gesucht um für unsere Tochter einen Platz für diese Zeit zu finden, wo sie sich richtig wohlfühlt.

Auch wenn es ihr dort immer sehr gut gefällt, wollte sie einmal mit nach Ägypten. Einmal das Meer sehen, einmal fliegen, einmal das erleben was Mama und Papa dort so gefällt.

Vergangenes Weihnachten war es soweit, mein Mann hat Ramona mitgeteilt, dass sie nun endlich mit darf. Dieser Moment, diese Freude, die Freudentränen werden wir nie vergessen. Sie weinte Tränen vor Glück und ich kann gar nicht sagen wie sehr uns das berührte.

Bereits im Januar begann die Planung. Wir haben ein Hotel ausgesucht in dem wir schon öfters waren, in dem wir uns auskannten. Es sollte ja alles perfekt sein. Gemeinsam mit Freunden schmiedeten wir diesen Plan, alles für Ramona so toll wie möglich zu machen.

Ende Januar haben wir bei einem Reisebüro unseres Vertrauens diese Reise ins Arabia Azur gebucht. Wir haben an alles gedacht.

  • Leihrollstuhl für die Reise
  • Papiere für alle
  • Transfer zum Flug
  • Transfer in Ägypten zum Hotel
  • Sitzplätze im Flugzeug

Hier geht ein ganz großes Dankeschön an Walid El Sayed der für uns die Buchung , den Transfer mit dem Rollstuhl zum Hotel  und auch die Reservierung der Sitzplätze perfekt organisiert hat.

Die Reise

Am 18.10.2017 war Ramonas großer Tag

Es hat bis dahin auch alles super geklappt. Nichts konnte uns aus der Ruhe bringen. Am frühen Vormittag starteten wir zeitig zum Flughafen. Alles lief reibungslos. Vom Check in bis zu eigentlichen Einstieg ins Flugzeug, alles war bestens organisiert. Pünktlich hob das Flugzeug ab und das Abenteuer konnte beginnen.

Ramona schaute glücklich aus dem Fenster des Flugzeuges und konnte es gar nicht richtig begreifen, dass endlich ihr Traum war wurde. Sie fragte viel, konnte es gar nicht erwarten endlich das Meer zu sehen. Ihr Papa erzählte ihr ganz viel und betonte immer wieder wie toll es werden würde. Meine Angst mag ich gar nicht beschreiben.  Angst ob Ramona das Klima verträgt, Angst dass sie nicht doch einen Anfall bekommt ( als Kleinkind war sie von Anfällen geplagt) Angst sie könnte Panik bekommen. Nichts von allem ist eingetroffen. Ramona war einfach glücklich und zufrieden.

 Landung auf dem Flughafen in Hurghada

Wir wurden bereits von einem netten Herren erwartet, der uns zu unserem Auto begleitete, welches uns in unser Hotel brachte. Plötzlich viel alle Angst von mir ab und ich war mir sicher, jetzt beginnt ein ganz toller Urlaub. Die kurze Fahrt ins Hotel Arabia Azur war kurzweilig und die Vorfreude sehr groß. Wir wussten ja, ganz liebe Freunde erwarteten uns bereits. Sie waren bereits einen Tag vor uns angereist.

Ankunft im Hotel und eine große Überraschung

Sindy und Daniel unsere Freunde erwarteten uns bereits und die Begrüßung war dementsprechend. Die Stimmung super, das sollte sich jedoch ganz schnell ändern. Beim Check in erfuhr ich , dass für uns ein Zimmer im 2. Stock reserviert wurde.

Nur mal kurz zur Info: Das Arabia Azur hat keine Aufzüge in den Bettenhäusern. 

Nachdem ich erklärt habe, dass das überhaupt nicht möglich ist, wurde uns mitgeteilt, es wäre nur ein Zimmer in Lagune A frei. Wir könnten jedoch am übernächsten Tag noch einmal wechseln. Das Zimmer in Lagune A entpuppte sich ganz am Ende. Eines der letzten Zimmer. Jeder Toilettengang und jeder Besuch am Pool oder am Strand wurde für uns zum Marathon. Lange Wege mit dem Rollstuhl, mit den Handtüchern, Strandtaschen und was ein Rollifahrer so alles benötigt.

Wir versuchten es uns trotzdem so angenehm wie möglich zu machen. Unsere Freunde ermöglichten uns etwas Komfort, sie erlaubten dass Ramona ihre Toilette benutzen durfte und wir unsere Badetücher und die Luftmatratze für Ramona unterstellen konnten. Dennoch sind wir ganz oft diesen sehr langen Weg gegangen, zu Duschen, zum Umziehen, zum Schlafen oder ganz einfach, weil wir etwas wichtiges vergessen hatten.

Am dritten Tag unseres wohlverdienten Urlaubs, machte ich mich wieder pünktlich um 14 Uhr auf  auf den Weg zur Rezeption, nun sollten wir ja endlich das gebuchte Zimmer bekommen.

An der Rezeption nur eine mürrische Antwort.
Nein das Zimmer ist noch belegt. Frühestens um 19 Uhr könnte ich vielleicht damit rechnen.

Enttäuscht und wütend wieder zurück zur Lagune A.

Nach dieser Aussage habe ich mein Reisebüro informiert und durch dessen Hilfe konnten wir endlich das Zimmer wechseln. Schade wie dort mit Stammgästen umgegangen wird. Vielleicht hätte ich wie viele es tun etwas Schmiergeld an der Rezeption zahlen sollen.

Das habe ich jedoch noch nie und werde es auch nicht tun.

An dieser Stelle  sage ich einfach einmal Danke Walid El Sayed

Natürlich haben wir trotz allem das Beste aus diesem Urlaub gemacht, auch wenn alles anders geplant war.  Wir, mein Mann und ich und auch unsere Freunde haben alles möglich gemacht, dass es Ramona gut ging und sie trotzdem viel Spaß hatte.

 

  

Am Vortag unserer Abreise habe ich wieder an der Rezeption vorgesprochen und um eine Zimmer -Verlängerung bis zur Abreise gebeten, da unser Transfer zum Flughafen erst am Nachmittag war. Der normale Check Out ist jedoch um 12 Uhr. Als Inhaber der Azur Karte hat man jedoch Anspruch auf Late Check Out. Auch das wurde bei uns jedoch abgelehnt. Wir müssten um in diesen Genuss zu kommen, um 12 Uhr nochmals das Zimmer wechseln.

An diesem Abend konnte sich mein Mann dann nicht mehr beherrschen und es gab ein Gespräch mit dem Management. Bei diesem Gespräch weinte ich viele Tränen vor Enttäuschung, tröstete meine Tochter, beruhigte meinen Mann und beschloss, ich werde das alles veröffentlichen.

Vom Chef der Rezeption, bekamen wir dann die Zusage am Abreisetag bis zu unserer Abholung im Zimmer zu bleiben.

Als Wiedergutmachung bekamen wir zwei Tetrapack Orangensaft, einen Obstkorb und zwei Joghurt.

Es ist einfach traurig, wie ein Hotel, in dem wir Stammgäste waren, mit einem Gast der auf den Rollstuhl angewiesen ist umgeht.

Die deutsche Gästebetreuung, mit der ich in Mail Kontakt stand und die  auch ganz genau wusste, dass wir ein ebenerdiges Zimmer mit kurzen Wegen zum Pool, (da fand auch das Abendessen) oder zu den anderen Räumlichkeiten für Frühstück, Bar Lobby u.s.w.  benötigen, ignorierte uns vollkommen.

Wir werden nun versuchen dieses Erlebnis nur mit den schönen Momenten in Erinnerung zu behalten. Aber es gibt sicherlich keinen Aufenthalt  im Arabia Azur mehr für uns.

 

12 Gedanken zu „Urlaub mit dem Rollstuhl, so war das nicht geplant

  • 8. November 2017 um 19:49
    Permalink

    Hallo Ulrike,
    ich habe deinen Bericht mit großem Interesse gelesen! Was euch widerfahren ist, genau das sollte nicht passieren!
    Ich war jahrelang auf Mallorca und habe von dort aus Senioren- und Handicap-Reisen organisiert. Auch hatten wir ein Sanitätshaus mit deutschen Hilfsmitteln vor Ort, die wir in die Hotels geliefert haben.
    Mitte Oktober war ich nach 15 Jahren mal wieder in Ägypten. Ich schaue mir die Hotels immer mit „anderen Augen“ an. Aufgrund deines Berichtes habe ich ein wenig recherchiert und nachgefragt, was möglich wäre. Hätte richtig Lust, mal solch eine Reise zu organisieren und dann natürlich selbst vor Ort mit dabei zu sein.
    Was mir aber immer noch fehlt, ist ein Rollstuhltransfer vor Ort. Am Flughafen funktioniert es ja.
    Wie habt ihr den Transfer gemacht? Ist Ramona umsetzbar?
    Liebe Grüße
    Elisabeth

    Antwort
    • 9. November 2017 um 19:31
      Permalink

      Hallo Elisabeth, ich finde es klasse, dass du solche Reisen organisierst. Gerade für Ägypten fehlt diese Organisation. Wir haben durch ein deutsches Reisebüro, welches von einem Ägypter betrieben wird, diese Reise gebucht. Es hat auch alles reibungslos geklappt. Die Betreuung, der Transfer vom Terminal zum Flugzeug,alles wunderbar, wirklich toll organisiert. Wir hatten das Glück, dass Ramona umsetzbar ist. Somit gab es für uns keine Probleme. Ich wurde aber oft darauf angesprochen, ob wir einen Rollstuhl- Transport hatten. Ich denke das ist ein großes Defizit auf vielen Reisen. Ob Ägypten so etwas überhaupt kennt, das kann ich leider nicht beantworten. Ich habe bisher nur Menschen in Ägypten kennengelernt, die genau wie Ramona kurze Wege auf einem normalen Sitz verbringen konnten. Es würde mich freuen, wenn du diesbezüglich neue Wege gehen würdest, damit wäre eine große Hürde für viele Rollstuhlfahrer genommen. Solltest Du diesbezüglich an Infos kommen würde ich mich freuen, wenn Du diese mit mir teilst. Leider ist es im Hotel ja nicht so toll gelaufen, das ist für mich aber ein absoluter Fehler des Hotels, besonders der Fehler der Gästebetreuung, mit der ich Mail-Kontakt hatte und die ganz genau wußte, dass wir eine Rollstuhlfahrerin dabei haben. L.G. Ulrike

  • 4. November 2017 um 9:47
    Permalink

    Wir waren schon im arabia daher kenne ich das Hotel.
    Ich finde es großartig das ihr eurer Tochter diesen Traum erfüllt habt und hoffe ich schreibt einen 2 Urlaub nicht gänzlich ab. Es gibt einige schöne Hotel‘ s die super auf rollstühle eingestellt sind. Von Zimmer bis zum Strand gibt es dort jeden Komfort der euch den Alltag etwas erleichtert. Viel Glück für die Zukunft🐫🌴💐

    Antwort
    • 9. November 2017 um 19:37
      Permalink

      Hallo Tanja, natürlich werden wir Ägypten nicht den Rücken kehren. Dafür lieben wir dieses Land viel zu sehr. Wir waren ja schon sehr oft zu zweit in Ägypten. Diese Reise sollte etwas ganz besonderes für unsere Tochter werden. Leider hat das Hotel uns es nicht leicht gemacht. Ramona hatte trotzdem einen schönen Urlaub. Wir haben viel mit ihr unternommen und sie war begeistert vom Meer, von der Moschee und auch von den ganz lieben Kellnern, welche vieles wieder gut machten was die Gästebetreuung und die Rezeption verbockt hatten. Auch mit Ramona werden wir in ein zwei Jahren einen zweiten Versuch starten. L.G. Ulrike

  • 4. November 2017 um 8:52
    Permalink

    Ich denke deine Tochter hat das garnicht so empfunden und die Zeit mit euch einfach genossen. LG Romy

    Antwort
    • 9. November 2017 um 19:39
      Permalink

      Hallo Romy, ich hoffe es so sehr. Es sieht aber ganz danach aus uns sie plant schon die nächste Reise.L.G. Ulrike

  • 3. November 2017 um 20:07
    Permalink

    Wenn ich vor Ort gewesen wäre, und ein schönes Zimmer in zentraler Lage im Erdgeschoß gehabt hätte, wäre es mir eine Verpflichtung gewesen, mit Euch das Zimmer zu tauschen, wenn ich rechtzeitig davon gehört hätte.

    Ich habe Deinen Bericht in der Arabia Fan-Gruppe geteilt.

    Auf Deinen Bericht vom 25. Oktober hin, hat sich das Management noch nicht geäußert.
    Ich bin einmal gespannt, ob jetzt etwas dazu geäußert wird.

    Ich denke, mehr Vorsorge, als ihr im Vorfeld gemacht habt, kann man nicht tun.
    Deswegen herrscht bei mir völliges Unverständnis für das, was mit Euch gemacht wurde.

    Antwort
    • 3. November 2017 um 20:48
      Permalink

      Danke Peter, danke für deine Worte und danke für das teilen. L.G. Ulrike

  • 1. November 2017 um 10:18
    Permalink

    Das ist wirklich sehr schade und traurig. Aber ich glaube, deiner Tochter hat es dennoch sehr gefallen und das ist doch das Wichtigste. Das erste Mal mit, das erste mal das Meer sehen. Also das Hotel wird mich sicher hier sehen, alleine schon deshalb. Ich kenne ja deine früheren, begeisterten Berichte, umso mehr tut es mir leid. Aber wie du sagst, die Positiven Momente in Erinnerung halten
    Liebe Grüße

    Antwort
    • 3. November 2017 um 19:05
      Permalink

      Ja Tanja, es ist wie du schreibst. Die positiven Momente überwiegen, jedoch möchte ich das ganze nicht unter den Teppich kehren. Auch wenn ich nur wenigen Menschen mit Handicap damit helfen kann.

  • 1. November 2017 um 1:18
    Permalink

    Das tut mir so leid, aber toll finde ich es, dass ihr eirer Tochter trotzdem so einen schönen Urlaub bereitet habt.

    Liebste Grüße Ela

    Antwort
    • 3. November 2017 um 19:03
      Permalink

      Danke für deinen Kommentar. Wir waren sehr enttäuscht, wie das Hotel reagiert hat, jedoch haben wir gemeinsam mit unseren Freunden, die ja ebenfalls im Hotel waren versucht den Urlaub für Ramona unvergesslich zu machen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.