viel zu früh 3


Nachdem feststand daß auch unsere Tochter behindert ist, uns jedoch kein Arzt den Namen der Krankheit nennen konnte begann eine Odyssee  durch die Kliniken von Deutschland. Kein Professor, keine Klinik konnte uns weiterhelfen und die einzige Diagnose die wir bekamen war das ist “ eine Laune der Natur“.

Wie wir uns fühlten, danach fragte Niemand. Wie unser  Großer damit zurecht kam das fragte ich mich dagegen öfter.  Im Hause nebenan wohnten meine Eltern oder soll ich besser sagen  meine Erzeuger. Eltern die für die Kinder da sind nein das waren weder mein Vater noch meine Mutter. Aber Schuld habe ich selbst. Ich war es schließlich die die Familienehre in Frage stellte. Ich habe die Kinder auf die Welt gebracht die so gar nicht in die heile Welt der Durchnittsfamilie passten. Wenn Ihr erschrocken über meinen Sarkasmus seit, dann tut es mir leid. Aber ich stelle hier auch die Frage wie man es als Oma übers Herz bringt die Enkelkinder abzulehnen. Ja anders kann ich es nicht beschreiben. Gerade mein Großer hätte zu dieser Zeit Großeltern nötig gehabt.

Mein Mann und ich gaben uns viel Mühe das aufzufangen  und wir haben immer versucht meine Eltern in einem guten Licht dastehen zu lassen.

Zwei Jahre vergingen ohne große Vorkommnisse. Mein Mann arbeitete nur Nachtschicht um mehr Zeit für die Kinder zu haben und auch finanziell hatten wir das bitter nötig. Die Kinderzimmer wurden durch eine Art Babyphone überwacht um immer ganz sicher zu sein. (Welch ein Trugschluss.)  Jeden Morgen wenn mein Mann nach Hause kam war trotzdem sein erster Gang der zu den Kindern. Erst dann fand er die Ruhe schlafen zu gehen.

Im Juli 1993  Die Zeit steht still.Ein kleines Herz schlägt nicht mehr.( die Überwachungsanlage hatte sich nicht gemeldet) Mit Alexander ist auch ein Teil von mir gegangen und niemals kann man das zurückholen. Niemals vergessen und niemals heilt die Zeit alle Wunden. Er ist eingeschlafen mit nur neun Jahren. Ohne  Vorahnung, ohne akuten Krankheitzustand  an einem sehr heißen Julitag und seine Oma hatte nichts besseres zu tun als Bohnen zu putzen.


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3 Gedanken zu “viel zu früh

  • Gabi Fischer

    Das tut mir sehr leid Ulrike. Deine Worte haben mich gerade sehr berührt. Ich denke es gibt nichts schlimmeres für Eltern als wenn ein Kind gehen muß. Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft. Liebe Grüße Gabi

  • Kerstin

    Liebe Ulrike,
    ich las hier, ich las zurück und ich las wieder hier. Es ist dieser Moment, in dem man nicht weiß, was man sagen soll, weil keine Worte richtig sind oder gar trösten könnten. Ich mag aber nicht einfach gehen, ohne zu schreiben.
    Ich möchte dir sagen, dass es mir sehr leid tut, was alles in deinem und eurem Leben vorgefallen ist und bewundere dich sehr dafür, dass du immer wieder aufgestanden bist. Deine Kinder haben eine ganz wundervolle, tolle und sehr starke Mutter – und das, wo du selbst eine solche nicht hattest.
    Besondere Kinder suchen sich besondere Eltern, sagt man und ich glaube, das trifft es am besten. Alexander war bei euch und ist jetzt in deinem Herzen gut aufgehoben. Du hast dein Kind und du begleitest deine Kinder auf eurem ganz besonderen Weg und du machst das sehr gut. Ich wünsche dir von ganzem Herzen alles erdenklich Gute. Und vergiss dich selbst dabei nicht!

    Ganz liebe Grüße an dich
    Kerstin

    • Ulrike Neeb

      Danke Kerstin für Deine lieben Worte. Ich denke mit dem Satz besondere Knder suchen sich besondere Eltern aus und er macht mich fast ein bisschen stolz. Ich habe viel gelitten in meinem Leben aber ich bin auch so dankbar für die Erfahrungen und die Liebe die ich erfahren durfte.